Niedrige Zinsen: 18 Ratschläge für Ihre Finanzen und Ihr Vermögen

Leben ohne Zins und Zinseszins

Leben mit niedrigen Zinsen:

Die Euro Krise und in Folge die EZB Politik des quantitative Easing sind ursächlich für historisch extrem niedrige Zinsen.  Waren früher negative Zinsen undenkbar, rentieren heute Staatsanleihen in vielen Laufzeiten negativ. Das Leben ohne Zins und Zinseszins wird immer noch in seiner zeitlichen Dauer und seiner ökonomischen Problematik unterschätzt. Betroffen sind Sparer, Anleger, Kreditnehmer, Unternehmer und Unternehmen – also alle gesellschaftlichen Gruppen.

Aktuell fällt ein weiteres Tabu: viele Banken berechnen Privatkunden und Unternehmen Strafzinsen auf ihre Einlagen. Die sogenannten Verwahrentgelte auf Giro- und Festgeldkonten betragen bereits ab dem ersten Euro bis zu minus 0,5 Prozent jährlich. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent verliert der Festgeldanleger somit jährlich real 2,5 Prozent. Das ist keine Kleinigkeit und eine sichere Anlage ist das nicht.

Die Problematik extrem niedriger bzw. negativer Zinsen besteht darin, das die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes und die Allokationsfunktion des Zinses zumindest eingeschränkt, wenn nicht sogar gefährdet sind. Beide Funktionen sind zentrale Elemente unserer marktwirtschaftlichen Ordnung. Es sind negative Auswirkungen auf Bankeinlagen, Anleihemärkte, Finanz- und Ruhestandsplanungen, Lebensversicherungen, Bewertung von Immobilien, Aktien, Unternehmen sowie auf Pensionsrückstellungen und Investitionsrechnungen festzustellen.

Ratschläge für Ihre Orientierung ohne Zins und Zinseszins im aktuellen Kapitalmarktumfeld:

  1. An den Rentenmärkten führten in den vergangenen Jahren drastische Zins- und Spreadrückgänge zu deutlichen Kursgewinnen. Dieses ist so nicht wiederholbar.
  2. Beim aktuellen Renditeniveau von Euro-Staatsanleihen führen bereits geringe Zinssteigerungen zu deutlichen Kursverlusten. Rentenmärkte haben heute das Risiko von Aktienmärkten.
  3. Mit Rentenanlagen kann aktuell kaum ein Puffer für volatile Assetklassen, z. B. Aktien aufgebaut werden. Anlagekonzepte, die hierauf aufbauen, sind so nicht mehr anwendbar. Dies trifft für viele klassische gemischte Fonds zu.
  4. Historische Ertrags- und Risikokennzahlen von Rentenfonds und gemischten Fonds sollten in Finanzplanungen nicht verwendet werden, da die zukünftigen Erträge zu hoch geschätzt werden und das Risiko zu gering.
  5. Standardisierte Internet basierte Vermögensverwaltungen (Robo Adviser) verwenden i. d. R. historische Ertrags- und Risikokennzahlen. Das ist ein methodischer Nachteil.
  6. Beachten Sie das Bewertungsparadoxon: Gestiegene Preise von Sachanlagen nutzen Ihnen in Liquiditätsplanungen – z. B. bei der Berechnung der Rentenlücke – nur, wenn zu den hohen Preisen auch verkauft wurde. Die gestiegenen Preise von selbst genutzten Immobilien sind nicht realisiert und somit keine liquide Verfügungsmasse.
  7. Vermeiden Sie in Ihrem Depot den Home Bias und versehen Sie jede Assetklasse zusätzlich mit einer Währungsallokation.
  8. Auch im privaten Anlagenmanagement sind heute die Analyse der Risikotragfähigkeit, die Erstellung eines Risikobudgets sowie ein aktives Risikomanagement erforderlich.
  9. Setzen Sie ausschließlich Produkte mit niedrigen laufenden und einmaligen Kosten ohne versteckte Provisionen ein.
  10. Bargeld stört die Notenbanken bei der Umsetzung der extremen Geldpolitik. Wer die Abschaffung des Bargeldes fordert, möchte unsere Freiheit einschränken.
  11. Diversifizieren Sie Ihre Bankeinlagen hinsichtlich Institut, Haftungsverbund, Regulierungsaufsicht und Währung.
  12. Tilgen Sie Hypotheken mit mindestens 4 Prozent jährlich.
  13. Lebensversicherungen werden am Ende der Laufzeit deutlich weniger auszahlen, als ursprünglich prognostiziert. Setzen Sie in Finanzplanungen nur bereits garantierte Beträge an.
  14. Betriebliche Rentenansprüche werden zum Zeitpunkt Ihres Renteneintritts geringer sein als heute prognostiziert. In Ruhestandsplanungen sollten Sie eine um 15 Prozent gekürzte Rentenzahlung kalkulieren.
  15. Erhöhen Sie Ihre monatliche Sparrate und legen Sie diese in effizienten Portfolios an.
  16. Überprüfen Sie als Unternehmer die Höhe der Pensionsrückstellungen und lassen Sie die Rückstellungshöhe mit einem Rechnungszins von zwei Prozent berechnen. Analysieren Sie die Auswirkungen auf ihre Bilanz hinsichtlich Eigenkapitalquote, Ausschüttungspotential und Kreditwürdigkeit.
  17. Verstehen Sie Sparen und Kapitalanlage als kontinuierlichen, dynamischen und unternehmerischen Prozess. Sprechen Sie mindestens halbjährlich mit dem Berater Ihres Vertrauens.
  18. Lassen Sie sich unabhängig und ohne Abschluss- und Bestandsprovisionen beraten.

SPMC | Gut beraten.

Ihr Hans-Jürgen Segbers

www.spmc.de

Erstveröffentlichung am 8. Juli 2015 auf Das Investment.